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Die Kinderfresser-Bar

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Die Kinderfresser-Bar

Donnerstag, 22. September 2011

Wir sind nicht sexistisch - ihr seid es!

Eine andere Perspektive zum Sexismus bei den Piraten.

Es gibt ein Problem auf dieser Welt: dualistische Geschlechterrollenbilder, in die Menschen auf Grund ihres biologischen Geschlechtes hineingedrängt werden. Und das ist schädlich - für die eigene Psyche, wenn man dem jeweiligen Rollenbild nicht entspricht, für die eigene Stellung, wenn das Rollenbild einen diskriminiert, für die Gesellschaft insgesamt, wenn Menschen ihre Potentiale nicht entwickeln oder einsetzen, weil Mann/Frau sowas nicht tut.

Die klassische - ich nenne sie mal parteipolitisch zugespitzt - Grüne Lösung ist: Die Geschlechterrollenbilder sind geprägt durch eine männerdominierte Gesellschaft und die Rollenbilder zementieren eben jene Männerdominanz, indem sie diese gesellschaftliche Verteilung als Normalität transportieren und rechtfertigen. Wenn wir dies bspw. mittels Quote durchbrechen, ändern sich die transportierten Rollenbilder und die männliche Dominanz und ihr automatischer Selbsterhalt wird aufgebrochen.
Der Sinn einer Quote ist es daher nicht, eine 50/50-Verteilung sicherzustellen, sondern letztlich soll eine Quote sich selbst überflüssig machen, eine Brücke bauen in eine post-gender-Gesellschaft in dem Sinne, dass das biologische Geschlecht zwar nach wie vor existiert, aber keine relevante Kategorie mehr in sozialer, wirtschaftlicher oder politischer Art darstellt. Beim Sex kommt es darauf an (wenn es einem denn darauf ankommt), ansonsten aber nicht.

Daraus folgt logischerweise, dass in einer post-gender-Gesellschaft die zahlenmäßige Verteilung von Geschlecht irrelevant wird und sich höchstwahrscheinlich von einer 50/50-Verteilung auch wieder entfernt. Die Piraten nehmen für sich vom Lebensgefühl her in Anspruch, dort weitgehend angekommen zu sein - da wir überwiegend im Geiste der Gleichberechtigung sozialisiert sind, ist das auch plausibel. Und aus diesem Lebensgefühl heraus entstehen meinem Eindruck nach Aussagen wie die von Andreas '@rka' Baum:
Wir wollen Frauen nicht durch eine Quote diskriminieren.
WIESO WILL MICH JEDER ZWINGEN IN EIN PARLAMENT ZU GEHEN NUR WEIL ICH TITTEN HABE? ICH RASTE AUS.
Frauen in der Piratenpartei müssen darum kämpfen, zu beweisen, dass sie nicht benachteiligt sind. Und zwar nur außerhalb der Partei.
Deshalb ist jeder Sexismus-Vorwurf gegen die Piraten, der an die zahlenmäßige Verteilung von Weibchen und Männchen anknüpft, schon in seinem Fundament völlig verfehlt und entlarvt zugleich jene beunruhigende Tendenz, Gleichberechtigung zu quantifizieren und so das Denken in Geschlechterkategorien zu zementieren. Die Quote - gedacht als Instrument zur Überwindung von Geschlechterrollenbildern - verkommt zum Zahlenbeweis einer vordergründigen Gleichberechtigung, zu einer gefälligen Fassade, die die wahren Verhältnisse verdeckt.

Wenn bei den Piraten weniger Frauen als Männer vertreten sind (das genaue Verhältnis ist unbekannt, weil wir das Geschlecht nicht erfassen), dann ist das nicht Resultat einer Unterdrückung von weiblichen Piraten durch ihre männlichen Kollegen, sondern Ausdruck der Realität in unserer Gesellschaft, dass nach wie vor Politik (und Technik weil Piraten sehr technophil sind) für signifikant weniger Frauen als Männern attraktiv erscheint.

In unserem Frauenanteil manifestiert sich somit nicht ein Sexismus der Piraten - für uns spielt das Geschlecht eben keine Rolle - sondern der Sexismus der Gesellschaft. Unser "Fehler" ist, dass wir diese Realität ohne Beschönigung in die Gesellschaft zurückreflektieren. 

Wenn man das im Hinterkopf behält, erklärt sich auch der mediale Shitstorm - es ist nie angenehm, wenn man beim Blick in den Spiegel feststellt, hässlicher zu sein als man sich eingeredet hat.

PS: Natürlich sind auch wir Piraten nicht perfekt. Auch wenn sich viele von uns aus Fernsehen und Kirche - zwei der mächtigsten Transporteure von Sexismen - seit langem zurückgezogen haben und in diesem Internet unser eigenes Ding machen, unsere eigenen Werte setzen und uns sozialisieren, leben wir immernoch in dieser Gesellschaft und kämpfen beispielsweise bei jeder Beziehung die wir führen, die scheitert oder nie zu Stande kommt, mit den Geschlechterrollenbildern in uns. Aber wir kämpfen. Und kommen vorwärts.

Und jetzt zur Entspannung ein bisschen Nice-Guy.

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Mittwoch, 21. September 2011

Der Sexismus des Feminismus

Ich begrüße hier im Blog eine Gastautorin, Dorina Schacknat. Sie über sich: "Selbstdarstellung?? Fuck, keine Ahnung."

Mein Aufregerthema der letzten Wochen ist die als Vorwurf gemeinte Feststellung, die Piraten hätten ganz wenig Frauen und in Berlin stehe nur eine Frau auf der Landesliste. Dieser Vorwurf ist aus zwei Gründen unsinnig. 

Zum Einen lässt sich schlicht nicht nachweisen, wie viele Frauen tatsächlich Mitglied der Piraten sind, da dazu keine Daten erhoben werden. Das Merkmal Geschlecht wird auf dem Mitgliedsantrag nicht abgefragt. Letztlich wird hier daher lediglich eine Vermutung als Tatsache dargestellt. Wobei ich auch den Eindruck habe, dass bei den Piraten tendenziell mehr Männer Mitglied sind als Frauen. 

Doch wie sieht das bei anderen Parteien aus? Ich beschränke mich hierbei auf die derzeit im Bundestag vertretenden Parteien. Die Linke und Die Grünen stehen mit jeweils 37 % Frauenanteil noch am besten da. Gefolgt von SPD mit 31 % und CDU mit 25 %. Mal wieder ist die FDP der Verlierer, sie haben lediglich einen Frauenanteil von 23 %. Wir sehen also, auch die übrigen Parteien haben deutlich mehr Männer als Frauen.

Wenn der Vorwurf lediglich an dieser Stelle scheitern würde, könnte ich damit leben, aber was mich als Frau wirklich wütend macht, ist die Tatsache, dass den Piraten Sexismus vorgeworfen wird, obwohl sie genau diesen im Gegensatz zu den übrigen Parteien nicht praktizieren. Warum erheben die Piraten keine Daten zum Geschlecht ihrer Mitglieder? Weil sie dieses Merkmal nicht für relevant halten. 

Sie machen de facto keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Andreas Baum sagte den wunderbaren Satz: 
Wir wollen Frauen nicht durch eine Quote degradieren.
Vielen Danke für diesen Satz. Die Piratenpartei ist die einzige mir bekannte Partei in der BRD, die tatsächlich keinen Sexismus betreibt. Jede Quotenregelung führt zwangsläufig dazu, dass ein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht wird. Der Feminismus hatte seine Daseinsberechtigung. Doch wenn das Ziel des Feminismus ist, Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich Chancen und Möglichkeiten zu überwinden, dann muss ich sagen, wir sind verdammt nah dran. Der letzte logische Schritt ist es, Menschen nach ihren Bedürfnisse und Fähigkeiten leben zu lassen. 

Die Piraten haben nur eine Frau auf der Landesliste, weil keine weitere kandidieren wollte und nicht etwa, weil Frau bei den Piraten nicht gewollt ist. Wie sieht da die Lösung aus? Wollen wir Frauen zwingen etwas zu tun, was sie nicht tun möchten, nur damit sich das besser im Fernsehen macht? Ist es wirklich ein Weg zur Gleichberechtigung, Mann und Frau immer und überall in einer 50/50-Quote gleichzuverteilen? 

Wenn das Ziel eine Gesellschaft ist, in der Menschen nicht auf Grund ihres biologischen Geschlechts in ein gesellschaftliches Rollenbild gedrückt werden, wird ein Feminismus, der in seinem Denken und den Argumenten in den Kategorien von Geschlechtern feststeckt, selbst zum Hemmschuh der Gleichberechtigung.

Erst wenn wir aufhören dem Merkmal Geschlecht Relevanz beizumessen, kann sich eine Gesellschaft entwickeln, in der Menschen tatsächlich gleichberechtigt sind.

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