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Piraten sind Käse in der Falle des ULD

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Die Kinderfresser-Bar: Piraten sind Käse in der Falle des ULD

Montag, 3. Oktober 2011

Piraten sind Käse in der Falle des ULD

Das ULD hat sich mit der Meinung in der Öffentlichkeit positioniert, Social Plugins wie der Like-Button seien datenschutzwidrig, weil sie Daten (bspw. die IP-Adresse) in die USA weiterleiten. Nun haben die Piraten Schleswig-Holstein ihre Facebook-Fanpage gelöscht, weil sie "nicht der Käse in Facebooks Datenfalle" sein wollen - und haben sich damit eine falsche Agenda aufzwingen lassen.

Ich will hier gar nicht die Rechtsmeinung des ULD zerlegen. Nur soviel in Kürze: Zum einen macht das ULD IP-Adressen zu einem personenbezogenen Datum, obwohl stark umstritten ist, ob eine IP das ist - immerhin verweist sie bestenfalls auf einen Anschluss. Aber man braucht nunmal ein personenbezogenes Datum um ein Datenschutzproblem behaupten zu können. Zweitens konstruiert das ULD eine Weitergabe dieses angeblichen personenbezogenen Datums durch die Einbindung von externen Inhalten auf der eigenen Seite.

In technischer Hinsicht ist das Quatsch - der Webseitenbetreiber gibt überhaupt keine Daten an Facebook weiter  - das macht vielmehr der User selber, indem sein Browser den entsprechenden Code von den Servern von Facebook lädt.

Und genau hier liegt der Knackpunkt und die Gefahr:

Das Wesen des Netzes ist die Vernetzung! Die Argumentation die das ULD hier gegen Facebook fährt ist vernetzungsfeindlich und lässt sich auf jede Einbindung von Content von externen Dritten anwenden.
  • Youtube-Videos auf der eigenen Webseite?
  • Werbung, die von dritten Servern geladen wird?
  • Und wie ist das mit Links? Wenn ich dafür verantwortlich bin, dass ein User sich das eingebettete Social-Plugin lädt, bin ich dann nicht auch verantwortlich, wenn der User einen eingebetteten Link anklickt der vielleicht nicht nach den Datenschutzvorstellungen des ULD spielt?
  • Darf ich dieses Blog führen, das Google irgendwo in den USA hostet? Immerhin ist in dem Moment wo du diesen Artikel aufgerufen hast, deine IP-Adresse dorthin übermittelt worden
  • Wie ist das mit eMails, die im Header häufig die IP-Adresse des Absenders mitführen? Darf ich nur noch eMails innerhalb Deutschlands verschicken?
Das ULD versucht über den Umweg Datenschutz nationalstaatliche Grenzen im Internet einzuziehen und folgt dabei getreu dem alten Prinzip: Am deutschen Datenschutzwesen soll die Welt genesen. (siehe auch: Datenschutz als Falle)

Dabei legt es die Axt an die Wurzel des Netzes, nämlich an die Möglichkeit der Vernetzung selbst an und negiert deren internationalen Charakter. Deutschland wird so noch ein Stück internetfeindlicher als bisher, die Haftungsrisiken für den Betrieb einer Website steigen weiter und wir koppeln uns ohne Not von einer Entwicklung ab, die die Zukunft ist. Worum geht es wohl im Informationszeitalter? Was wird die Basis für kulturelle, politische und wirtschaftliche Relevanz auf dieser Welt sein?

Wir beklagen uns darüber, dass es kein deutsches oder europäisches Google gibt, kein Facebook und keine sonstigen Projekte in diesen Dimensionen - ja warum wohl? Weil Institutionen wie dem ULD Relevanz eingeräumt werden, wenn sie völlig an der veränderten Realität vorbei ihren Dogmatismus zementieren.

Wenn die Piraten Schleswig-Holstein jetzt ihre Facebook-Fanpage gelöscht haben, dann werden sie - um in ihren Worten zu bleiben - zum Käse in der Falle des ULD, denn sie adeln mit ihrem Kniefall vor der Meinung des ULD einen unreflektierten Datenschutzfundamentalismus, der gefährlich ist für das Netz und schädlich für die kulturellen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands und Europas. 

Wir legen heute und in den nächsten 10-15 Jahren den Grundstein für die Relevanz unseres Kulturraumes im Informationszeitalter - einen Grundstein, der unsere Lebensrealität und die der kommenden Generationen ganz wesentlich bestimmen wird  - und gegenwärtig ist unser Beitrag dazu, angsterfüllt die Übermittlung von IP-Adressen in andere Länder und Fotos von Häuserfronten zu verdammen.

Und noch einmal aus einer anderen Perspektive die spezifisch die Piraten als politische Partei betrifft: 

Es ist eine zentrale Aufgabe von Parteien in unserem demokratischen System, den Diskurs aus der Gesellschaft heraus gebündelt ins politische System und aus diesem zurück wieder in die Gesellschaft zu tragen. Es ist ein kommunikatives Wechselspiel, ein Kreislauf zwischen Politik und Bürger, in dem Parteien die Aufgabe des Mittlers und Moderators übernehmen. Politik muss dorthin getragen werden, wo die Menschen sind, nicht umgekehrt. Wenn viele Menschen auf Facebook sind, dann müssen politische Parteien auch dort ihrer politischen Aufgabe nachkommen und dürfen sich nicht selbstgerecht in ihren Datenschutz-Elfenbeinturm zurückziehen.

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4 Kommentare:

Am/um 3. Oktober 2011 um 04:18 , Anonymous Landpirat meinte...

Ich bin in vielen Punkten auf Deiner Seite und begrüße eine weitreichende Diskussion über das vielschichtige Thema.

Leider schreibst Du am Thema Fanpages, um die es bei der Entscheidung der Schleswig-Holsteinischen Piraten geht, vorbei. Und Du vergisst, dass es nicht ausschließlich um die IP-Adresse, sondern um viel mehr Daten geht, die Fanpagebetreiber für Facebook ihren Kunden/Fans/Interessenten entlocken und die in den USA zu umfangreichen Profilen zusammengetragen werden. Da sind sie tatsächlich der Käse in der Falle und das wollen wir nicht sein. Sich der Realität zu entziehen, indem man einfach davon ausgeht, "das es die Besucher ja wissen müssten", ist meiner Ansicht nach nicht zur Selbstauffassung der Piraten.

Diese Entscheidung ist das Ergebnis tagelanger Diskussion in unserer Diskursliste, auf Stammtischen und auf einem öffentlichen Diskussionsabend der Piraten in Lübeck. Mit einem Kniefall vor dem ULD hat sie nichts zu tun. Wir sehen die Vorgehensweise des ULD durchaus kritisch und verbreiten das auch so.

Ich persönlich hatte vorher einen neutraleren Standpunkt. Den letzten Ausschlag nach den oben erwähnten Diskussionen, gab mein Besuch einer Infoveranstaltung der IHK in Lübeck zum Thema Fanpages. Dort wurde das ULD lediglich am Rande und ohne tiefere Betrachtung des Themas durch den Kakao gezogen. Stattdessen folgte eine riesige unkritische Lobhudelei auf den "enormen Nutzen" der Fanpages im Handel. Diverse Firmen stellten ihre "so toll moderne" Fanpage vor. Das Wort Datenschutz kam nicht ein einziges Mal vor. Es wurde kein Gedanke daran verschwendet, ob man nicht auch eine Verantwortung gegenüber den Kunden/Besucher hat. Ich will nicht, dass die Piraten ebenso blind handeln.

Auf unseren Website steht sehr häufig: "Wir speichern nicht". Bei unseren Fanpages sorgen wir stattdessen dafür, dass Facebook umfangreiche Daten unserer Benutzer erhält und nutzen sie selbst zur Auswertung. Das ist für mich und viele andere Piraten in SH genau die Doppelmoral, die wir sonst bei anderen Parteien anprangern.

 
Am/um 3. Oktober 2011 um 04:45 , Blogger Crackpille meinte...

Klar, die IHK hat natürlich im Wesentlichen wirtschaftliche Interessen auf dem Schirm, da kann man nichts anderes erwarten.

Ich will auch gar keine Lobhudelei auf Facebook betreiben - ich persönlich finde Facebook hässlich, intransparent und für meinen Usecase ungeeignet, deshalb bin ich da auch nicht.

Auch mir gefällt nicht die Art und Weise wie Facebook mit den Daten seiner User umgeht, insbesondere die Arroganz die sie dabei an den Tag legen. (Da gefällt mir Google bspw. sehr viel besser; die machen relativ transparent, was sie von einem wissen, man kann es löschen und auch zum Teil exportieren.)

Aber das ändert nichts daran, dass das Denken des ULD (das hier nur exemplarisch kritisiert wird) gefährlich ist und wir hier in eine Falle laufen, die ich im Artikel "Datenschutz als Falle" schonmal skizziert habe (ist oben verlinkt).

Das mit der Doppelmoral ist ein Argument - zieht aber doch nicht so richtig, weil wir uns mit Facebook auf einer fremden Plattform mit anderen Menschen bewegen, machen wir natürlich nicht die Regeln.

Analog dürften Piraten keinen Infostand in der Innenstadt aufbauen, wenn dort irgendwo Kameras montiert sind - und das beißt sich nunmal mit unserer politischen Verpflichtung als Partei.

 
Am/um 3. Oktober 2011 um 05:57 , Anonymous Skeptiker meinte...

Das Problem ist richtig gefasst, der Datenschutz hört an den Landesgrenzen auf, dass ist und bleibt das zentrale Problem. Ich denke, dass auch die Piraten dieses Problem erkannt haben und die damit verbunden "Sofort-Maßnahme" ist die Löschung der SH-Fanpage.
Ich bestätige Ihre Vermutung, dass es damit noch lange nicht erledigt ist (oder sein sollte), aber um auf einer ehrlichen Grundlage eine weitere Diskussion führen zu können war dies wohl der ehrlichere erste Schritt als bei einem Anprangern der Verhältnisse zu hoffen unter dem Radar zu fliegen.

Sollten die Piraten in SH es nun dabei belassen.wäre das sehr traurig. Sollte dies aber der erste Schritt sein, dessen weiterführende Maßnahmen und Diskussionen zu diesem Thema eine weitere Betrachtung und Analyse des Problems hervorbringt, begrüße ich dies sehr.

 
Am/um 3. Oktober 2011 um 23:13 , Anonymous Anonym meinte...

Wie Landpirat schon schrieb, zielst du am Kerngedanken vorbei. Grundlage ist erst mal: Ich möchte nicht, dass Facebook ein Profil über mich anfertigt und meine Daten auf ewig speichert, deshalb habe ich keinen Facebook-Account. Und nun kommen wir zu dem großen Problem und dem "Käse in der Mausefalle": Wenn ich nun mit verschiedenen Parteien oder Behörden, etc. kommunizieren möchte oder mich auch nur informieren will, wäre ich nun gezwungen, mich bei Facebook anzumelden, um in unserer vernetzten Welt zu bestehen. Und das kann es nicht sein. Sicherlich sind viele Menschen bei Facebook angemeldet. Aber bezweifle, dass der Großteil sich überhaupt für Politik interessiert. Meiner Erfahrung nach, weigern sich viele noch nicht politikverdrossenen Mitbürger, die sich mit der Thematik Datenschutz beschäftigen, bei Facebook anzumelden. Die Vorteile von Facebook sind unumstritten, doch ich denke, solang Facebook weiterhin äußert umfangreiche Profile seiner Nutzer erstellt (ich verweise auf Max Schrems), kann die Löschung von Fanpages vorerst nur der einzig richtige Weg sein.

 

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