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Religion als Bedrohung

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Die Kinderfresser-Bar: Religion als Bedrohung

Freitag, 24. September 2010

Religion als Bedrohung

Karl Doehring, Prof. Dr. Dres. h.c. schreibt in der FAZ einen Artikel darüber, dessen Kernaussage ist:

Der Islam ist verfassungsfeindlich.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Der Islam - also die Religion an sich - ist verfassungsfeindlich. Verfassungsfeindlich ist man, das sei hier kurz erwähnt, wenn man sich aktiv kämpferisch gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet. Dazu gehört mehr als Kritik, der Wunsch sie zu ändern oder ihr ignorieren. Vielmehr muss man ein Verhalten an den Tag legen dessen Ziel es ist, die Verfassung abzuschaffen bzw. in ihren unverrückbaren Grundsätzen umzugestalten. Das wäre beispielsweise bei einer Abkehr vom Prinzip der Menschenwürde der Fall.

Und so schreibt Doehring:
Nach dem Grundgesetz ergibt sich ihr [der Menschwürde, Anm.d.Verf.] Inhalt, auch wenn er abstrakt schwer fassbar ist, doch weitgehend aus den einzelnen Wertvorstellungen, die das Grundgesetz betont, etwa aus dem Gedanken und dem Charakter des Persönlichkeitsschutzes, der Eigentumsordnung, des Toleranzgebots, des Gleichheitssatzes oder der Religionsfreiheit, um nur wesentliche Werte zu nennen.
Da muss ich erstmal Schlucken. Das alles ist Menschenwürde? Unsere Eigentumsordnung? Die Religionsfreiheit? Angelehnt an Kant definierte Josef Wintrich Menschenwürde als ein Verkennen der jedem Menschen ob seines Menschseins zukommenden Achtungsanspruches der verletzt ist, wenn der Mensch zum bloßen Objekt, einem bloßen Mittel, zur vertretbaren Größe gemacht wird. Und es ist gut und richtig, den Begriff der Menschenwürde so eng zu fassen, denn nur so kann er seine Funktion als letzte Schranke, als unübertretbare Linie bewahren.

Dann geht es weiter mit einem suggestiven Zirkelschluss:
Immer wieder betont der Islam beziehungsweise seine Vertreter, dass die islamische Menschenwürde dann voll erfüllt sei, wenn der Muslim sein Leben in voller Übereinstimmung mit Koran und Scharia einrichte, wie das schon sehr klar 1981 auf einer Konferenz in Kairo bei Behandlung der Menschenrechte im Islam erklärt würde.
Dies dient als Beleg für einen schroffen Gegensatz zwischen Islam und Verfassung. Er ist aber nur dann einer, wenn man unterstellt, dass ein Leben nach Koran und Scharia der Menschenwürde widerspricht, also genau das als gegeben annimmt, was man eigentlich beweisen wollte. Ein rhetorischer Taschenspielertrick, bei dem der Leser die Argumentation mit den eigenen Vorurteilen ausfüllen soll aber nach dem Lesen denkt: Aber dieser clevere Prof. Dr. Dres. h.c. hat das doch argumentativ belegt.

Wie man aber überhaupt von einer Religion pauschal irgendwas behaupten kann, ist mir schleierhaft. Das ist eine Vereinheitlichung, bei der jedem klar sein muss, dass sie falsch ist. Sie muss falsch sein, weil es eine solche Einheit niemals gibt. Die Welt ist nicht so einfach und überschaubar.

Es gibt auch nicht das Christentum. Ein bayrischer Christ der jeden Sonntag in die Kirche geht, nach den 10 Geboten lebt, die Hungernden speist (was übrigens ebenfalls der Koran verlangt) und mit der Gewissheit stirbt, sich trotz aller Fehler redlich darum bemüht zu haben, ein guter Mensch zu sein, hat genau was zu tun mit einem amerikanischen Pastor, der zum Verbrennen des Koran aufruft? Mit Priestern, die ihre Ministranten die Festigkeit und Härte ihres Glaubes spüren lassen? Oder mit einer Eva Hermann die sich nicht entblödet, ein auf massivem Planungsversagen beruhenden tragischen Unfall als Strafe Gottes hinzustellen?

Auch die Schlussfolgerung Doehrings, der Islam könne nicht zwischen weltlichem und kirchlichem Recht trennen, was daraus folge, dass es Staaten gibt, die den Islam als Quelle des Rechts ansehen, ist offensichtlich ein Fehlschluss. Denn nur, weil ein Staat eine Religion als Rechtsgrundlage heranzieht, bedeutet das noch nicht, dass umgekehrt die Religion und insbesondere ihre Anhänger nicht in der Lage wären, zwischen Staat und Religion zu trennen.

Welche Ironie übrigens, dass am selben Tag, an dem die FAZ diesen Text Doehrings veröffentlicht, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entscheidet: Eine Kündigung durch die katholische Kirche wegen Ehebruchs verstößt gegen die Menschenrechte.

Klar, ausgerechnet wir haben unser Problem mit der Trennung von Staat und christlicher Kirche gelöst. Der Vatikan hat einen Sitz in der UNO, wir zahlen jährlich Millionensummen aus Staatsgeldern (nicht Kirchensteuer!) an die christlichen Kirchen und stellen nach wie vor die Vielehe unter Strafe. Die Kirche hat ihre Vertreter in Kommissionen wie der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien und entscheidet so mit, was wir sehen dürfen und was für uns zu gefährlich ist. Sie hat in der Verfassung das verbürgte Recht, ihre Lehren an unseren Schulen zu verbreiten. Und wenn dann mal wieder ans Tageslicht kommt, dass großflächig Kinder von Geistlichen sexuell missbraucht werden, wird ein runder Tisch eingerichtet und nicht etwa die Staatsanwaltschaft losgeschickt. Wir haben es der Kirche erlaubt eine Parallelgesellschaft zu bilden, in welcher sie ungestört eigene Regeln und Gesetze machen darf, wo weltliches Arbeitsrecht nur bedingt Geltung erlangt und die Möglichkeiten des Rechtsschutzes beschränkt sind. Eine Parallelwelt, in der ein eigenes kirchliches Rechtssystem existiert mit eigenen Gerichten und eigenen Richtern. Alles unter dem Schutz unserer Verfassung. Was wäre eigentlich los, wenn die muslimische Kirche Arbeitnehmer feuert, weil diese sich weigern, ihrer Frau ein Kopftuch aufzuzwingen? Oder eine Frau nicht einstellt, weil sie eine Frau ist?

Es gibt ein Problem in diesem Land mit der Integration von manchen Muslimen. Meiner Erfahrung nach insbesondere mit Männern, denen unsere auf Freiheit und Gleichberechtigung aufgebaute Gesellschaft ihre Paschastellung unter dem Hintern wegzieht; die muslimischen Frauen sind oft schon zwei Schritte weiter.

Das sind aber Peanuts gegen die allgemeine Gefahr des religiösen Revivals der letzten Jahre, das wir in der gesamten westlichen Welt beobachten können. Jeden Tag, an dem wieder ein Kampf der Religionen propagiert wird, an dem billig hetzerisch oder akademisch pseudo-objektiv eine andere Religion als Gefahr dargestellt wird, der man sich nur mit Null Toleranz erwehren kann, an der Intelligent Design als gleichberechtigte Alternative zur Evolutionstheorie an Schulen gelehrt wird und an dem wir Kriege mit Gottes Segen führen, zeigt sich erneut, wie dünn die Maske unserer angeblichen Zivilisation und Aufklärung ist. Und wieviele Risse sie inzwischen hat.

Danisch schreibt daher völlig zu Recht:
Die Bedrohung unseres Rechtsstaates heißt nicht Islam. Der ist nur eine Ausprägung davon. Das Problem heißt Kirche bzw. die Strukturen der Glaubensinstitutionen.
Es ist an der Zeit, den sich zunehmend breitmachenden religiösen Einfluss zurückzudrängen in den Privatbereich, unter dem starken Schutze der Religionsfreiheit, aber der Verfassung und den weltlichen Gesetzen unterworfen.

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