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Arbeit ist nicht erhaltenswert - oder: Grundzüge piratiger Wirtschaftspolitik

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Die Kinderfresser-Bar: Arbeit ist nicht erhaltenswert - oder: Grundzüge piratiger Wirtschaftspolitik

Mittwoch, 26. Januar 2011

Arbeit ist nicht erhaltenswert - oder: Grundzüge piratiger Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik, die ihren Fokus auf den Erhalt von Arbeitsplätzen legt, ist ein Irrweg. Arbeit ist kein Selbstzweck, sondern ein notwendiges Übel - sie zu überwinden muss ständiges Ziel gesellschaftlicher und politischer Bemühungen sein.

Wirtschafts- und Sozialpolitik wirken zusammen
Nachdem wir Piraten uns mutig in Richtung einer neuen und starke Sozialpolitik gewandt haben, indem wir das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe in unser Grundsatzprogramm aufgenommen haben, sind wir in Sachen Wirtschaftspolitik noch bei der Positionierung.

Wichtig ist, zu erkennen, dass Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik eng zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Hartz4 ist der Inbegriff eines schwachen Sozialsystems und des sozialen Abstiegs - entsprechend groß ist die Angst des Arbeitnehmers vor Verlust seines Arbeitsplatzes.

Ein starker Kündigungsschutz wurde installiert, um diese abzumildern - doch damit hat man zugleich die Wirtschaft in ihrer Flexibilität eingeschränkt, was zu den seltsamen Stilblüten wegen Bagatell-"Diebstählen" gefeuerter Arbeitnehmer führt (Pfandbon, Handy auf der Arbeit geladen, etwas aus dem Müll mitgenommen...)

Außerdem macht diese Angst den Erhalt von Arbeitsplätzen zu einem wichtigen Anliegen für die Politik - und es macht sie erpressbar. Wie oft hat der Staat Milliarden von Steuergeldern als Subventionen verteilt, nur damit irgendein Unternehmen seine Leute nicht feuert. Wie oft haben Gewerkschaften auf Lohn verzichtet um Arbeitsplätze zu erhalten? (Und wie oft wurden die Menschen in beiden Fällen kurze Zeit später doch gefeuert?)

Arbeit ist nicht erhaltenswert
Die Verknüpfung von Arbeit mit Lebensstandard bzw. Arbeitslosigkeit mit sozialem Absturz hat den Eindruck erweckt und verfestigt, Arbeit sei wichtig.

Doch Arbeit ist nicht im geringsten erhaltenswert - ganz im Gegenteil. Als Gesellschaft sind unsere zeitlichen Ressourcen begrenzt und wir müssen sie aufteilen. Wenn wir X-tausend Menschen in der staatlichen Verwaltung sitzen haben, damit sie Zahlen und Zettel sortieren, dann können sich diese Menschen nicht mit anderen Dingen beschäftigen, die Individuum und Gesellschaft weiter voranbringen, als es die Verwaltung unserer selbst tut.
Wenn wir also im Rahmen einer Verwaltungsreform große Teile der Beschäftigten durch IT ersetzten, könnten sie ihre Zeit an anderen Stellen sinnvoller einsetzen.

Die Überwindung von Arbeit ist insofern wünschenswert und muss sogar Ziel einer Gesellschaft sein:
Wenn in einem Haushalt eine Geschirrspülmaschine gekauft wird, beschwert sich auch niemand darüber, dass das Kind jetzt nicht mehr von Hand abwaschen muss und damit arbeitslos wird.

Doch in unserer Gesellschaft wird Arbeit zur Bedingung der Teilhabe an der gesellschaftlichen Wertschöpfung gemacht. Das mag zwar oberflächlich gerecht erscheinen (Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen) - es ist es aber nicht, weil durch die Überwindung von Arbeit die Wertschöpfung nicht vermindert wird. Ein kleines Beispiel mag das verdeutlichen:
In einem Dorf leben 100 Menschen; jeder bestellt ein Stück Land, welches seine Bedürfnisse deckt. Jetzt entwickeln ein paar Leute eine Maschine und damit können 10 Menschen genug Land bewirtschaften, um alle 100 Menschen zu versorgen. Während sich also am Ernte-Ertrag nichts ändert, verlieren plötzlich 90 Menschen ihren Anspruch auf einen Teil des Ernteertrages und müssen hungern oder sind auf mildtätige Gaben angewiesen. Sie arbeiten schließlich nicht mehr. Und sie werden die Maschine verfluchen, die ihren Platz einnahm - nicht, weil sie keine Arbeit, sondern weil sie keine Nahrung mehr haben.
Eine starke Sozialpolitik ermöglicht eine freie Wirtschaft
Das von den PIRATEN postulierte Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe bricht dieses falsche Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeit und Recht auf Teilhabe an der Wertschöpfung zumindest teilweise auf. Wir eröffnen damit zugleich den Weg für eine Befreiung der Wirtschaft von jenen Ketten, die ihr Zwecks Erhalt von Arbeitsplätzen angelegt wurden.

Und das ist nötig: Die bisherige Wirtschaftspolitik der Arbeitserhaltung und -schaffung durch staatliche Regelungen und Eingriffe, Subventionen und Konjunkturpakete führt zu starken Verzerrungen und behindert so die sinnvolle Verteilung knapper Ressourcen. Wenn ein Arbeitnehmer in einem Unternehmen nicht mehr benötigt wird, ist es nicht sinnvoll, ihn dort anzuketten; und wenn ein Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig ist, weil andere es besser machen, macht es keinen Sinn, das Unternehmen künstlich am Leben zu erhalten. Außerdem öffnet die geradezu willkürliche Verteilung von Milliardenförderungen der Korruption und Verschwendung von Steuergeldern Tür und Tor.

Insofern kann ich mich der Logik wirtschaftsliberaler Gedanken nicht verschließen. Inkonsequenterweise sind allerdings viele "Liberale", die öffentlichkeitswirksam eine freiere Wirtschaft, weniger Kündigungsschutz u.ä. fordern, nicht bereit, im Gegenzug auf staatliche Bemutterung der Wirtschaft zu verzichten. Dort dient die liberale Oberfläche wohl nur der Kaschierung von Gier.

Was bedeutet freie Wirtschaft?
Die Freiheit von Wirtschaft wird noch viel zu stark auf große Unternehmen und die Differenzierung in Arbeiterschaft und Unternehmertum bezogen. Wir diskutieren dauernd über Mindestlohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz.

Ein weitaus wichtigerer Punkt wird dabei aber völlig vergessen: Die Einfachheit, an der freien Wirtschaft selbstständig teilzunehmen. Rechtliche Hürden und Risiken, undurchschaubare Bürokratien und Berge von Papier behindern, nerven und entmutigen jeden, der seine Fähigkeiten der Gesellschaft selbstständig zur Verfügung stellen will.

Dabei kann der Staat mit geringem finanziellem Aufwand viel tun. Er kann nicht nur überkommene rechtliche Regelungen für einzelne Berufe auf den Prüfstand stellen, sondern auch Informationen, Lehrprogramme und Software zur Verfügung stellen, Verwaltungsaufgaben automatisieren und beschleunigen und so Einstieg und Ausübung einer selbstständigen wirtschaftlichen Tätigkeit erheblich erleichtern. Ist es nicht wünschenswert, dass sich Menschen, deren Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt scheinen, selbstständig ausprobieren können? Was spricht beispielsweise dagegen, per Mausklick ein Gewerbe eröffnen zu können? Und ist es tatsächlich unvermeidbar, dass Selbstständige ihre Zeit häufiger auf Aufgaben der Verwaltung verschwenden als sie in den Dienst ihrer eigentlichen wirtschaftliche Tätigkeit und gesellschaftlichen Wertschöpfung  zu stellen?

Die vier Säulen piratiger Wirtschaftspolitik
Um das Gesagte prägnant zusammenzufassen und in die Diskussion zu entlassen, möchte ich vier Säulen definieren, auf denen piratige Wirtschaftspolitik ruhen sollte:

1. Eine starke Sozialpolitik, die Arbeit vom Recht der Teilhabe an der gesellschaftlichen Wertschöpfung zumindest teilweise entkoppelt
2. Eine fundamentale Vereinfachung der selbstständigen Teilhabe am Wirtschaftsprozess und eine freie Zuverfügungstellung von dazu notwendigem Wissen und den erforderlichen Werkzeugen
3. Ein größtmöglicher Verzicht auf staatliche Eingriffe in die Anpassungsprozesse der Wirtschaft, auch auf dem Gebiet der abhängigen Beschäftigung
4. Eine größtmögliche Automatisierung von Verwaltungsprozessen in Staat und Wirtschaft durch weniger komplexe Regelungen und den intelligenten Einsatz von IT

Was sagt ihr dazu?

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16 Kommentare:

Am/um 30. Januar 2011 um 04:36 , Anonymous Bernd meinte...

Lass die 4. Säule weg oder man nennt dich Träumer :)

 
Am/um 30. Januar 2011 um 04:49 , Blogger Crackpille meinte...

Das politische System können wir durch Wahlen verändern, aber gegen Bürokratie wirkt nur eine Revolution? :-)

 
Am/um 30. Januar 2011 um 08:55 , Blogger DavidXanatos meinte...

super posting!

 
Am/um 30. Januar 2011 um 10:36 , Anonymous SD meinte...

m(

 
Am/um 30. Januar 2011 um 10:42 , Anonymous Anonym meinte...

"Die Verknüpfung von Arbeit mit Lebensstandard bzw. Arbeitslosigkeit mit sozialem Absturz hat den Eindruck erweckt und verfestigt, Arbeit sei wichtig."
Durch die Verknüpfung von Maschinen mit Massenproduktion hat sich der Eindruck verfestigt die Waren und Dienstleistungen welche konsumiert werden wären einfach so "da" und würden nicht etwa von 37mio Menschen hergestellt.

 
Am/um 30. Januar 2011 um 11:42 , Anonymous Seahorse meinte...

Hi Crackpille,

in deinemBlogartikel, wird in Punkt 3 die Rolle des Staates extrem verkürzt dargestellt.

"3. Ein größtmöglicher Verzicht auf staatliche Eingriffe in die Anpassungsprozesse der Wirtschaft, auch auf dem Gebiet der abhängigen Beschäftigung"

Was soll das heißen?
Neoliberale Wirtschaftspolititik?

Freiheit für die Wirtschaft und private gewinnmaximierende Firmen, die in den meisten Fällen zu keinem sozial wünschenswertes Optimum von Ressourcenallokation und Produktion führen.

Was ist mit staatlicher Regulierung, die zB Umweltverschmutzung einschränken soll? Nach dem vorgeschlagenen Punkt 3 verzichtet deine piratige Wirtschaftspolitk in Zukunft auf Eingriffe, um solche negativen Externalitäten auf die Gesellschaft oder andere Akteure zu begrenzen und zu steuern.
http://de.wikipedia.org/wiki/Externer_Effekt


Das aktuelle Wirtschaftsparadigma ("staatliche Eingriffe in die Anpassungsprozesse der Wirtschaft") ist in einer Welt mit endlichen Ressourcen nicht nachhaltig.

Das aktuelle Wirtschaftssystem führt zu Verschwendung von endlichen Ressourcen. Marketing und Werbung heißen den Konsum und die Begierden von Menschen an. Es geht in dem aktuellen Wirtschaftssystem nicht um das umsichtige und ökonomische Verwenden von knappen Ressourcen um damit einen gesellschaftlich wünschenswertes Optimum zu erreichen. Diese Art zu wirtschaften ist nur möglich bei billigen Energieressourcen (fossile Energien-Peak Oel) und Raubbau an den Lebensgrundlegen und Ressourcen unseres Planete auf Kosten der zukünftigen Generartionen, denen wir einen verwüsteten und vergiftete Planeten hinterlassen. Das Wirtschaftssystem, dass du in deinem Blog als piratige Wirtschaftspolitik forderst ist nicht nachhaltig und dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Eine "freie Wirtschaft ohne staatliche Restriktionen" führt zu Zuständen, die für die Mehrzahl der Bürger extrem negative Konsequenzen haben.

[Beispiel S-Bahn Berlin]

Die Berliner S-Bahn und deren Desaster ist ein Beispiel, was passiert, wenn man die Wirtschaft und gewinnmaximierende Unternehmen sich selbst überlässt ohne ggf. staatlich hart regulierend einzugreifen oder bestimmte Leistungen direkt durch den Staat oder von ihm kontrollierte Unternehmen bereitzustellen.

Das Desaster der S-Bahn Berlin ist ein Paradebeispiel für das Versagen von Marktsystemen, die auf privatwirtschaftlicher Gewinnorientierung aufgebaut werden. Ein gesellschaftliche wünschenswertes Optimum wird offensichtlich gerade nicht erreicht.


Die Schlussfolgerungen zu den Säulen der piratigen Wirtschaftspolitik, die der Blogbeitrag zieht, kann ich nicht folgen.

lg Seahorse

http://twitter.com/SeahorsePirat
...habe in letzter Zeit eine Menge links zu Peak Oil und Sustainability auf twitter verlinkt

 
Am/um 30. Januar 2011 um 12:06 , Blogger Crackpille meinte...

@Seahorse:

In diesem Blogeintrag geht es erkennbar um die Konnextität zwischen Sozialpolitik und Wirtschaft.

Wenn ich hier von einer Liberalisierung spreche, dann bezieht sich das auf Vorschriften die mittelbar der sozialen Sicherheit dienen (bspw. Kündigungsschutz), da dies besser durch die starkes Sozialpoltik aufgefangen wird, für die wir einstehen, und bürokratische Regelungen, die nicht mehr zeitgemäß sind.

Nicht aber, um Regelungen zu streichen, die weiter von Bedeutung sind. Neben Umwelt bspw. auch nicht Arbeitsschutzvorschriften o.ä.

Zur Umweltpolitik haben sich die Piraten übrigens zukunftsweisend positioniert für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt für zukünftige Generationen und eine sichere und umweltschonende Energiepolitik.

 
Am/um 30. Januar 2011 um 14:48 , Blogger Crackpille meinte...

@Anonym: Mir ist zwar nicht 100%ig klar, was du sagen möchtest, aber es dünkt mich, du bemühst dich zu polemisieren.

 
Am/um 30. Januar 2011 um 15:17 , Anonymous Seahorse meinte...

@Crackpille

Aus deinen Ausführungen spricht aber die implizite Annahme, dass eine freie Wirtschaft (im Bereich Sozialpolitik und Wirtschaft) zu optimalen oder besseren Ergebnissen führen wird, als ohne "staatliche Eingriffe".

Eine "freie Wirtschaft" (den Faktor Arbeit betreffend) ist ja eigentlich immer in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext eingebunden und nie "frei" und ohne Beziehung zu den Präferenzen einer demokratischen Gesellschaft, die sich in ihren Gesetzen gerade hinsichtlich der Steuer-, Finanz-, Wirtschaftspolitik äußert.

Die Gesellschaft entscheidet über demokratische Prozesse, welche Art von wirtschaftlichen Handeln sie fördern und welche unterdrücken möchte. Alles andere ist undemokratisch.

Also eigentlich kann es in einer demokratischen Gesellschaft und von dieser konstituierten Wirtschaftsordnung keine "freie" Wirtschaft geben, die unabhängig von Staat (als Verfassungskonstrukt) vor sich hin laviert.

"3. Ein größtmöglicher Verzicht auf staatliche Eingriffe in die Anpassungsprozesse der Wirtschaft, auch auf dem Gebiet der abhängigen Beschäftigung"

Staat (als Verfassungskonstrukt und Institution um gesamtgesellschaftlicher Interessen der Bürger gegen Einzelinteressen durchzusetzen) gibt das Framework vor, in dem sich die Bürger wirtschaftlich frei entfalten können.

Staat und freie Wirtschaft sind in diesem Sinne keine Antagonismen. Der Staat setzt demokratisch legitimiert die Regeln, wie gewirtschaftet wird.

Zudem ist die Annahme, eine freie Wirtschaft führt zu den besten aller Welten als Basis einer Wirtschaftspolitik eher abzulehnen, da es im Regelfall nicht zu trifft.

In der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie ist es eher ein Grenzfall, dass unabhängig eigennutzorientierte Akteure mit ihren Entscheidungen zu gesellschaftlich optimalen Ergebnissen kommen. Siehe erstes und zweites Wohlfahrtstheorem als Begründung Laissez-faire Marktliberallismus bzw. Marktfundamentalismus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Wohlfahrtstheoreme

Das interessante ist, dass das zweite Wohlfahrtstheorem explizit dem Staat über die Bestimmung der anfänglichen Vermögensverteilung (Endowments) die Aufgabe zuspricht nach "seinen" Präferenzen diese zu verteilen und dann über die Anwendung eines Marktmechanismus (freier Wettbewerb, freie autonome Entscheidungen von nutzenmaximierenden Individuen, sofern es keine Externalitäten gibt) jedes Optimum in einer Allokation zu verteilen.
Naja, dass oben gesagte hat jetzt wenig bezug zu deinem Blogbeitrag, ist aber Teil der theoretischen Herleitung der Ideologie der freie Märkte als Heilsbringer (Marktfundamentalismus)


Der neoliberale Marktfundamentalismus, der seit 30 Jahren auf der Welt wütet ist eine Ideologie, die einer kleinen Machtelite dient, eine ungeheure Aggregation von Einkommen und Vermögen bei einer kleinen Schicht von Individuen zu ermöglichen. Der Begriff der "Freiheit" und die Mär von segenbringender freier Marktwirtschaft oder Kapitalismus ist ein teil der Propagandamaschiene, um ein System der Umverteilung von Einkommen nach oben und Verarmung durchzusetzen.

Die Milliardäre dieser Welt haben ihre Vermögen idR nicht im harten Wettbewerb verdient sondern über Monopol und gute Beziehungen zu den Machteliten einer Gesellschaft oder sind produkt von Ererbten Vermögen, deren Ursprung aus Kriegen, Gewalt oder Beziehungen zu Macheliten herrühren.

Mal als Beispiel Susanne Klatten, deren Milliardenvermögen seinen Ursprung u.a. in Kriegen Verbrechen gegen Menschen hatte (siehe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Klatten
http://de.wikipedia.org/wiki/Quandt_%28Familie%29

Ein starker Staat ist notwendig um überhaupt erst faire Spielregeln und eine gesellschaftlich akzeptable Ausgangsposition für sinnvollen Wettbewerb zu schaffen.

[Fortsetzung...]




lg Seahorse

 
Am/um 30. Januar 2011 um 15:19 , Anonymous Seahorse meinte...

[...Fortsetzung von oben, 30. Januar 2011 15:17 ]

Ich sehe wenig Grund darin, dass die PIRATEN große internationale bestehende Konzerne oder anderer Wirtschafts-, Finanz- und Vermögenseliten und Machtskonzentrationen durch einen "Verzicht auf staatliche Eingriffe in die Anpassungsprozesse der Wirtschaft" freie Hand lassen und auf eine Durchsetzung der Interessen der Bürger, an einer nachhaltigen fairen Wirtschaftsordnung , verzichten sollen.

Gerade bei der Lohn- und Arbeitspolitik sind alle prinzipiell selbst Bürger betroffen. Entscheidungen, welche Grenzen die "freie Entfaltung" und der "freie" Wettbewerb bei der Bestimmung der Arbeitsverträge haben soll und welche Grenzen dabei gesetzt werden, dürfte für eien gesellschaft von elementarem Interesse sein.

Eine starke Sozialpolitik könnte man aber auch als eine Art Almosen-Staat sehen, der mehr Abhängigkeit und Unfreiheit schafft. Eine Gesellschaft und Bürger können auf Dauer nur frei sein, wenn der Großteil der Bürger wirtschaftlich unabhängig vom Staat ist.

Die Regulierung von Arbeitsbedingungen, -beziehungen und -vertragsgestaltungen hat direkte Auswirkung auf die betroffenen Bürger und Familien. Gerade was die Einkommenserwerb und die Arbeitsbedingungen anbelangt. Damit sind davon alle Bürger direkt betroffen. Warum sollte man dann diesen Bereich von demokratischer Gestaltung ausnehmen und stattdessen nur eine "starke Sozialpolitik" als einzig politische Maßnahme favorisieren.


Wie wäre es, wenn Ziel piratiger Wirtschaftspolitik wäre, (1) den Faktor Arbeit massiv von Steuern und Sozialabgaben zu entlastet und (2) die bestehende Arbeit besser zu verteilen (jeder Arbeitet im Schnit 30h pro Wochen statt die einen 60h und die anderen vergammeln als Hartz4-Empfänger vor dem Fernseher bei Vera am Mittag) - statt die bestehende staatlichen Regulierungen von Arbeit (zB Arbeitszeitbeschränkungen, Mindestlöhne und Arbeitsschutz) abzubauen.

Bestimmte Regulierungen, die die Ausgestaltung von Arbeitsverträgen betreffen können ja wenn sinnvoll angepasst werden. Es gibt und gab viele Gründe für bestimmte Regulierungen von Arbeit, die man auch als Sozialen Fortschritt und Errungenschaften bezeichnen kann, die teuer erkämpft wurden und unsere Gesellschaft und politisches System stabilisieren und Basis für eine demokratische Bürgergesellschaft sind.

lg Seahorse

 
Am/um 30. Januar 2011 um 15:28 , Blogger Crackpille meinte...

@Seahorse: Entscheidungen sind am besten, wenn sie dort getroffen werden, wo sie anfallen.

Lösungen sind am besten, wenn sie dort ansetzen, wo das Problem ist.

Korrektive sind am besten, wenn sie die Freiheit der Korrigierten am wenigsten beschneiden.

Kommentare sind am besten, wenn sie einen klaren Inhalt haben und den in Kürze darstellen.

 
Am/um 31. Januar 2011 um 04:48 , Anonymous Seahorse meinte...

@Crackpille und all,

das Prinzip der 'Subsidiarität'[1] und das der 'Institutionellen Kongruenz'[2] sind schon mal eine gute Basis um darauf eine Finanz- und Wirtschaftpolitk aufzubauben.

Wobei immer zu beachten ist, dass die meisten Entscheidungen von Individuen, Akteuren oder Kollektiven 'externe Effekte'[3] auch auf andere Betroffen ('Stakeholder'[4]) haben.

Ach ja, und demokratisch soll es auch noch sein.

...und kurz und prägnant. :-)

Beste Grüsse
Seahorse

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Subsidiarit%C3%A4t
[2] http://www.lexikon-finanzpolitik.de/runtime/cms.run/doc/Deutsch/17/Institutionelle%20Kongruenz.html?tab=i&glossaryid=160
[3]http://de.wikipedia.org/wiki/Externer_Effekt
[4]http://de.wikipedia.org/wiki/Stakeholder

 
Am/um 31. Januar 2011 um 09:10 , Anonymous Anonym meinte...

@seahorse

Nachhaltige Entwicklung, wie etwa von den Piraten angestrebt, kann niemals endliche Ressourcen verschwenden. Dem Ziel einer Nachhaltigen Entwicklung entsprechend, sind Strategien zu entwickeln, welche eine sozial gerechte, wirtschaftliche und ökologisch verträgliche Entwicklung verfolgt.
Vor diesem Hintergrund sind letztlich die dargestellten Ausführungen nicht uninteressant; wieviele Menschen stützen ihre Berufswahl weniger auf ihre Passion, als auf den größtmöglichen finanziellen Gewinn? Eine Entkoppelung der Arbeit vom Recht der Teilhabe an die gesellschaftliche Wertschöpfung dürfte doch vielmehr zu einem vestärkten Umweltschutz führen und weniger wie von dir befürchtet zu einer zügelosen Verschwendung von Ressourcen. Umweltschutz hat nicht genug Geld, um Mitarbeitern das Überleben über Gehälter zu sichern, aber ganz sicher genug Idealisten die bereit sind sehr viel Zeit in den Schutz unserer Umwelt zu investieren. Die ganzen Arbeitlosen Landschaftsentwickler et al. würden dann nicht mehr bei Vera am Mittag verrotten, sondern ganz nachhaltig einen sinnvollen Beitrag für unsere Gesellschaft leisten. Ganz nebenbei können sie in der Bildungs- und öffentlichkeitsarbeit verstärkt Umweltbewusstsein und Handlungskompetenzen in der breiten Bevölkerung initiieren. Dieses Modell auf eine funktionierende ökonomische Grundlage zu stellen, stellt sicherlich eine Herausforderung dar, ist aber nicht unmöglich.

 
Am/um 1. Februar 2011 um 02:35 , Blogger Crackpille meinte...

@ Anonym: Richtig, das sehe ich ebenso. Gerade das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe fördert Tätigkeiten, die gesellschaftlich nutzbringend sind, aber wirtschaftlich nicht entlohnt werden.

Allerdings ist das ja eine Diskussion, die wir bereits sehr intensiv argumentiert und ausgefochten haben. Ziel dieses Artikels war es daher, die andere Seite der Medaille - die Wirtschaftspolitik - im Lichte der geforderten starken Sozialpolitik neu zu denken. Insofern hat uns Seahorse etwas vom Kurs abgebracht.

Ich bin gespannt, was für neue Impulse das Sozicamp liefert.

 
Am/um 28. September 2011 um 02:34 , Anonymous noone91 meinte...

Hallo,


mit Interesse habe ich den Artikel im Kompass gelesen. Ich war positiv von der PPD überrascht. Was mir hier in den Kommentaren negativ aufgefallen ist, dass man über die bösen Unternehmer spricht. Wer ernsthaft behauptet das Gewinnmaximierung die Maxime wäre, sollte sich vorab Mal anschauen wieviele Unternehmer ihr Privatvermögen in den Erhalt des Betriebs gesteckt haben und am Ende mit nichts außer Schulden da standen. Die dt. Wirtschaft ist für keine zweite von KMUs geprägt. Da gibt es kaum einen Mittelständler der sich von MA trennt um seinen Profit zu maximieren. Es findet bei KMUs auch eine starke soziale Kontrolle statt: Welcher Unternehmer will Freitag beim Sportverein als habgieriger Raffzahn dastehen?

Bitte keine allgemeine Unternehmerschelt!

Negativ aufgefallen ist mir die Verwendung des Ausdrucks Gier. Ich finde Gier etwas absolut positives. Denn ich denke dabei an Neugier - nicht an Habgier.

 
Am/um 28. September 2011 um 03:46 , Blogger Crackpille meinte...

Tja, Kommentare sind halt Kommentare ^^ Aber im Kern stimmt es ja: Kapitalismus erhebt den Egoismus (Gewinnmaximierung, Gier) zur Handlungsmaxime.

Das in Deutschland das nicht derart exzessiv praktiziert wird, wie anderswo und auch sozial - insb. im Mittelstand - nie eine solche Anerkennung erfahren hat, stimmt in der Tat und ich glaube, wir werden uns noch freuen, dass dem so ist. (Genau wie wir noch über unserr umlagefinanziertes Rentensystem freuen werden.)

Aber die Fixierung auf auf "Wachstum" ist ein Problem, denn es führt dazu, dass wir an der Realität vorbeidenken. Beispiel?

Ein öffentliches Ufer an der Spree an das sich jeder setzen kann, erholen kann, etc. hat im Hinblick auf das BIP einen Wert von 0. Baue ich aber Zäune an das Ufer, stelle eine Pommesbude hin und nehme Eintritt, erhält das Ufer plötzlich einen Wert von > 0.

 

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