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Lösungen die keine sind: Das Holzkind

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Die Kinderfresser-Bar: Lösungen die keine sind: Das Holzkind

Donnerstag, 18. November 2010

Lösungen die keine sind: Das Holzkind

Heute möchte ich nicht über den Unsinn von Websperren gegen Kinderpornographie schreiben; die Argumente dazu sind längst ausgetauscht, die "Lösung" als Farce entlarvt, die die Täter schützt und fördert, während als Kehrseite die Kinder leiden.

Vielmehr möchte ich mal ein Beispiel aus der Offline-Welt präsentieren, dass demselben Prinzip folgt: Tue etwas, was auf den ersten Blick gut aussieht, aber sich auf den zweiten Blick - genau wie Websperren - als schädlich herausstellt. (Den zweiten Blick pflegt man dann häufig unter Bemühung kognitiver Dissonanz anzupassen.)

Holzkind in Northen nähe Hannover

Was ihr hier seht, ist ein Holzkind, vielleicht 6-7 Jahre alt. In lebensnaher Größe, Form und Ausrichtung erweckt es den Eindruck, als betrete es gleich die Fahrbahn. Dieses Holzkind steht in Northen nähe Hannover, in den Dörfern der Umgebung gibt es aber ähnliche.

Ich kann mir den Gedanken, der hinter dieser Aktion steckt, gut vorstellen: Rufen wir den Autofahrern in den Ortsdurchfahrten in Erinnerung, dass hier Kinder sein könnten, damit sie entsprechend vorsichtig (und langsam) fahren.

Allerdings unterscheiden sich diese Holzkinder von jeder anderen Form von "Achtung-Kinder"-Hinweisschildern - auch jenen mit Kindesabbildungen - die ich bisher sah: Sie wirken nämlich nicht wie ein Schild, sondern wie ein echtes Kind, weil sich der Körper auf der richtigen Höhe befindet. Zusätzlich kann man zum Kind keinen Blickkontakt aufbauen, da es nur aus dem Profil zu sehen ist und als Krönung noch eine Kapuze trägt. Als Autofahrer muss ich annehmen, dass das Kind mich nicht gesehen hat. Folgerichtig erhöhte ich die ersten Male kurz meine Aufmerksamkeit und machte mich bremsbereit, bevor ich den Trug erkannte.

Super, könnte man annehmen, Ziel erreicht. Doch mitnichten.

Ich will mich gar nicht über die Verkehrsgefährdung aufregen, die entstehen kann, wenn mal jemand zum Schutz des "Kindes" im Reflex etwas dummes tut. Dafür braucht man nicht einmal einen besonders unbesonnenen Menschen; einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit dem Radio oder dem quengelnden Kind auf dem Rücksitz zu widmen kann ausreichen, wenn danach keine Zeit mehr bleibt, den spontanen Eindruck eines Kindes auf möglichem Kollisionskurs zu überprüfen.

Ich will mich auch gar nicht fragen, wie die erwachsenen Urheber dieser Idee reagieren würden, wenn ihre Kinder "lass-uns-so-tun-als-ob-wir-gleich-auf-die-Straße-laufen" spielen, um herannahende Autofahrer zu erschrecken.

Viel interessanter und bedenkenswerter ist es, dass ich - nachdem ich die Strecke mit den Holzkindern heute das vierte Mal gefahren bin - mein Gehirn dazu übergegangen ist, sie auszublenden. Ich nehme diese "Kinder" nicht mehr bewusst wahr.

Liegt es da nicht nahe, dass ein echtes Kind von ähnlicher Größe, Alter und Orientierung von mir ebenfalls nicht mehr wahrgenommen werden wird? Ist nicht anzunehmen, dass eine Reaktion wenigstens verzögert erfolgen wird, weil ich mir die Zeit nehmen muss, den ersten Eindruck zu verifizieren? Dieser Sekundenbruchteil kann letztlich den Unterschied machen, zwischen bloßem Schreck und echtem Unfall, zwischen einem verletzten und einem toten Kind.

Das ist nichts grundsätzlich Neues; ich nenne es mal das Prinzip Feueralarm. Bevor man seinen Arsch rettet, fragt man sich erstmal, ob es nicht nur eine Übung ist; weshalb zumindest in amerikanischen Hollywoodstreifen die Durchsage kommt: "Dies ist keine Übung." (Ob man, um die Authenzität der Übung zu wahren, das auch bei einer Übung macht, würde ich gerne wissen...)

Der nächste logische Schritt jedenfalls ist es dann wohl, allen Kindern ein Schild um den Hals zu hängen mit der Aufschrift: "Ich bin echt." Oder, weil das Lesen natürlich zu lange dauert, schnallen wir den Kindern gleich ne rote Lampe auf den Kopf.

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